Schäden durch Zulieferer

Ich habe eine ganze Zeit lang als Bearbeiter für Schadens- und Versicherungsfälle in einem Werk eines großen deutschen Industriekonzerns gearbeitet. Und da hatte ich gut zu tun. Meistens waren es Zulieferer, die Schäden verursacht haben. Es gab eigentlich zu jeder Zeit etwa 5-10 anhängige Streitfälle mit hohen Schadenssummen. In der Regel waren mangelhafte Zulieferprodukte die Ursache für Schäden, die teilweise in die Millionen gingen. Da es sich um einen relativ komplexen Fertigungsprozess handelte, dauerte es in immer eine Weile, bis das Problem überhaupt entdeckt wurde und der Schaden durch Fehlproduktion war entsprechend groß.

Es gestaltete sich aber aus verschiedenen Gründen sehr schwierig Regressforderungen durchzusetzen. Zum einen war die Nachweisführung teilweise extrem aufwändig. Komplizierte Experimente und Testreihen mussten durchgeführt, unabhängige Gutachter bestellt oder Analysen durch Materialforschungsinstitute angefordert werden. Das allein ist natürlich schon extrem zeit- und kostenintensiv. Aber selbst, wenn zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte, daß der Schaden auf fehlerhaftes Material oder andere Fehler von Lieferanten zurückzuführen war, hieß das noch lange nicht, daß der Lieferant auch für den Schaden aufkam.

Der Anwalt, der meinen Arbeitgeber vertreten hat und den ich für seine Erfahrung und Umsicht immer sehr geschätzt habe, hat in den meisten Fällen von einer Klage abgeraten. Da es aber auch Firmenpolitik war, eine Klage unter allen Umständen zu vermeiden, wurde selbst dann nicht geklegt, wenn die Sache klar lag und auch der Anwalt dringend zugeraten hat. Es steht zumindest zu befürchten, daß auch die Klage nicht sehr hilfreich gewesen wäre. Die Zulieferer waren zumeist internationale Unternehmen und ein Prozess im Ausland hätte sich sicher ewig hingezogen und wäre sehr teuer geworden, mit offenem Ausgang.

Das schwierige an dem Versuch, sich mit den Zulieferern aussergerichtlich zu einigen war, daß es sich oft um sehr große Unternehmen handelte, die eine sehr hohe Markt- und Lieferantenmacht haben und ohne die man nur sehr eingeschränkt oder gar nicht produzieren konnte. D.h. die Zulieferer konnten einfach auf stur schalten und die Forderungen schlichtweg ignorieren und man hatte keinerlei Handhabe gegen sie. So zogen sich die Streitigkeiten jedesmal endlos hin und endeten meist damit, daß der Lieferant einen Bruchteil der Schadenssumme, wenn überhaupt, beglich, womit der Fall dann beigelegt wurde.

Kurz: wenn man so stark von den Lieferanten abhängig ist, oder die Lieferanten zumindest nicht von einem, kommt man nicht umhin zu prozessieren. Besonders, wenn es um sehr hohe Schadenssummen geht.

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